12 Euro - Mindestlohn drängt großen Niedriglohnsektor in Mittelsachsen zurück

Veröffentlicht am 08.01.2022 in Pressemitteilung

Studie belegt großen Niedriglohnsektor in Mittelsachsen und Wirksamkeit von Mindestlöhnen

Eine Studie zum Niedriglohnsektor des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) zeigte erneut auf, dass sehr viele Menschen in Sachsen mit niedrigen Löhnen auskommen müssen. Das betrifft insbesondere auch Mittelsachsen. Hier verdienen 39 Prozent der Vollzeitbeschäftigten nur Niedriglöhne. 

„Die Erhöhung des Mindestlohns ist für Mittelsachsen besonders wichtig. Ein Mindestlohn von 12 Euro wäre eine Lohnerhöhung für 30.000 Beschäftigte in Mittelsachsen. Das bedeutet mehr Geld im Portemonnaie, aber eben auch mehr Respekt für ihre Arbeit. führt der Döbelner Landtagsabgeordnete Henning Homann mit Blick auf die Zahlen dazu aus. „Es wird oft unterschätzt: Das tiefe Ohnmachtsgefühl trotz eigener harter Arbeitsleistung keine angemessene Vergütung und später entsprechend Rente zu erhalten, hat eben auch die Leute wütend gegenüber der Politik im Osten und in Sachsen gemacht”

„Mindestlöhne wirken. Laut Studie landen heute, insbesondere durch die Einführung des Mindestlohns von 8,50 Euro, 320.000 Ostdeutsche weniger im Niedriglohnbereich. Man kann also etwas ändern! Ich nehme wahr, dass sich immer mehr Beschäftigte nicht mehr klein machen: Sie streiten für höhere Tariflöhne und mehr Rechte. Zusammen mit einem Mindestlohn von 12 Euro kann das den Beschäftigten unserer Region den Stolz zurückgeben. Und das macht Hoffnung für den Landkreis Mittelsachsen.“ Homann gibt dabei ebenfalls zu bedenken, dass gut ausgebildete Fachkräfte nur mit guten Löhnen in der Region gehalten werden könnten.

„Allerdings befürchte ich, dass CDU und AfD alles dafür tun werden, den Mindestlohn von 12 Euro zu verhindern. Vor einer solchen Blockadehaltung kann ich nur warnen”, betont Homann abschließend. Beide Parteien hatten im Bundestagswahlkampf eine Erhöhung des Mindestlohns abgelehnt.

Hintergrund:

Laut der Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) ist insgesamt die Zahl der Menschen im Niedriglohnsektor in Sachsen besonders hoch. Während im Freistaat 32,6 Prozent der Vollzeitbeschäftigten wenig Geld verdienen, sind es in Berlin 19,2 Prozent und in Baden-Württemberg sogar nur 13,7 Prozent. Sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigte gelten als Geringverdiener, wenn sie weniger als 2/3 des mittleren (median) monatlichen Bruttoarbeitsentgeltes aller sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigten der Kerngruppe verdienen. Am aktuellen Stichtag (31.12.2020) lag diese bundeseinheitliche Schwelle des unteren Entgeltbereichs bei 2.284 Euro brutto.

Hier geht es zur Studie: https://www.boeckler.de/pdf/p_wsi_pb_65_2022.pdf?fbclid=IwAR01PcKfOvgGmqhiSsq6FUTkNosq2RhKxQuNFkWhkk_NIbLy4m14we3qvVA

Regionalen Zahlen: https://www.wsi.de/de/arbeitszeiten-entlohnung-im-regionalen-vergleich-29696-unterer-entgeltbereich-34892.htm