Freiwillige in FSJ und FÖJ leisten wertvollen Beitrag

Veröffentlicht am 27.08.2010 in Jugendpolitik

Auf einer Festveranstaltung der Landesvereinigung kulturelle Kinder- und Jugendbildung (LKJ) wurden nicht nur die Teilnehmer/innen des FSJ-Kultur 2009/2010 verabschiedet und die neuen Teilnehmer/innen begrüßt, es wurde auch auf den 10-jährigen Geburtstag des "freiwilligen sozialen Jahres - Kultur" angestoßen. Dabei wünschten sich fast alle, dass die drastischen Kürzungen im Bereich der Freiwilligendienste zurückgenommen werden. Aber nur fast alle. Frau Kraußhaar, die stellvertretend für Sozialministerin Clauß sprach, rechtfertigte den Sparkurs als alternativlos. Nicht einmal dem kinder- und jugendpolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Patrick Schreiber, wollten andere Lösungen einfallen. Der SPD-Landtagsabgeordnete Henning Homann kritisierte in seinem Grußwort hingegen die unnötigen Kürzungen bei wichtigen Zukunftsinvestitionen. Es mangele den Koalitionsparteien an politischen Willen, Alternativen gebe es hingegen genug.

Rede des Abgeordneten Henning Homann (SPD) anlässlich der Jahreskonferenz der Landesvereinigung kulturelle Kinder- und Jugendbildung (LKJ) am 27. August 2010 im Sächsischen Landtag:

Es gilt das gesprochene Wort

So schön wie heute war es im Landtag noch nie. Warum? So viele junge Menschen im Landtag. Und: Alle junge Menschen sitzen auf den Plätzen der demokratischen Parteien sitzen. Ihr habt Euch richtig entschieden. Das finde ich gut!

Sehr geehrter Frau Dr. Range
Sehr geehrte Damen und Herren der BKJ und der LKJ

Vor allem liebe FSJ´lerinnen und FSJ´ler,

Ja, dies ist ein Tag zum feiern. 10 Jahre FSJ. Ein erfolgreiches FSJ-Jahr schließt ab. Ein neues FSJ-Jahr beginnt. Meine herzlichsten Glückwünsche zu diesem tollen Erfolg. Viele junge Menschen, tausende tolle Stunden, Veranstaltungen und gute Taten liegen hinter uns und vor uns. Viele dankbare Menschen und Einsatzstellen. Das FSJ-Kultur ist Erfolgsmodell, das jede Unterstützung verdient.

Einige in diesem Land sagen allerdings: Wir können uns das FSJ im bisherigen Umfang nicht mehr leisten. Die Anzahl der FSJ-Stellen wird von 1111 auf 500 mehr als halbiert.

Schauen wir uns aber die gesellschaftliche Realität an: Ich denke wir können uns es nicht Leisten bei der Jugend zu sparen. Ich wiederhole meine These von heute Vormittag: Freiwilligendienste, Jugendarbeit, Kultur sind kein Luxus. Sie sind Zukunftsinvestitionen!

Warum Zukunftsinvestitionen? Zunächst ein ideeller Grund: Die meisten Menschen wollen in einer freien und gerechten Gesellschaft leben. Dies bedarf selbstbestimmte und selbstbewusste Menschen. Das FSJ hilft jungen Menschen sich dahin zu entwickeln. Deshalb sind Freiwilligendienste eine Zukunftsinvestition in eine gute Gesellschaft.

Es gibt aber auch einen wirtschaftlichen Grund: Ein Erprobungsjahr, das noch dazu den Freiwilligen stärkt, hilft langfristig Kosten zu sparen. Jeden Euro den wir heute in die Zukunft, in die Bildung, in die Persönlichkeitsbildung eines jungen Menschen investieren, sparen wir morgen doppelt. Bei Studien- und Ausbildungsabbrüchen, Sozialleistungen, Lebenshilfe, im schlimmsten Fall bei Gerichtskosten. Ja, das FSJ/Kultur leistet auch einen Beitrag zur nachhaltigen wirtschaftlichen Entwicklung Sachsens. Das sollte uns Einiges Wert sein. Deshalb sind die Kürzungen doppelt falsch.

Ich kenne das aus eigener Erfahrung: 1997 gründete ich mit Freuden gemeinsam den Treibhaus e.V. Damals mit dem Ziel einen Raum zu schaffen, in dem wir vor Nazis sicher waren. Daraus ist in 13 Jahren ein tolles soziokulturelles Zentrum gewachsen. Seit fünf Jahren nutzen wir das FSJ-Kultur und es ist definitiv eine absolute Bereicherung.

Zwei Gründe möchte ich dafür anführen:

1. Freiwillige sind für uns wie für alle Einsatzstellen unverzichtbar. Freiwillige erfüllen heute in vielen Einrichtungen keine Hilfedienste sondern einen existenziellen Dienst für die Kulturarbeit vor Ort

2. Ich kann junge Mensch sehen, die sich in einem Jahr enorm entwickeln, weil ihnen dazu die Freiheiten und neue Spielräume zur persönlichen Entfaltung gegeben werden.

Ich möchte mich deshalb zunächst bei allen FSJ´lerinnen und FSJ´lern danken, die sich im vergangen Jahr mit ganzer Kraft für Ihre Einrichtung und die Kultur in ihrer Stadt eingesetzt haben. Als Treibhaus-Gründungsmitglied natürlich besonders Toni.

Ich wünsche allen, die heute ihr neues FSJ-Kultur aufnehmen viel Erfolg. Nutzt die Zeit auch für Eure persönliche Entwicklung. Als Treibhaus-Gründungsmitglied natürlich besonders Judith.

Ich danke allen Einsatzstellen für Ihren Einsatz. Für viele ist es schwierig den Eigenanteil zu bringen und das FSJ damit zu ermöglichen. Als Treibhaus-Gründungsmitglied bin ich auch ein Stück stolz, dass der Geschäftsführer Erik Oßwald heute noch zu uns sprechen wird.

Zusammenfassend stellt sich die Sache so: Ich weiß, wir haben im Einsatz für eine aktive, kulturell Vielfältige und weltoffene Gesellschaft in Euch einen wichtigen Partner. Deshalb sollt Ihr wissen: Die LKJ und ihr als Freiwillige habt mit mir und der SPD-Fraktion im Sächsischen Landtag einen Partner für Eure Anliegen.

Und deshalb seit euch immer bewusst: Eure Arbeit ist wertvoll!

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit