Generation Prekär wächst.

Veröffentlicht am 19.10.2010 in Jugendpolitik

Homann: „Wir brauchen eine sächsische Qualifizierungsoffensive für jüngere Beschäftigte.“

„Wir müssen junge Menschen stärker beim Berufseinstieg unterstützen. Die Infratest-Studie zu den Zukunftserwartungen der nächsten Generation, die gestern von der IG-Metall veröffentlicht wurde, offenbart dringenden Handlungsbedarf. Demnach ist die nächste Generation weit überdurchschnittlich von Praktika, Leiharbeit und befristeter Beschäftigung betroffen. Junge Erwerbslose werden zu wenig und zu langsam in Qualifizierungsmaßnahmen vermittelt. Knapp die Hälfte der Arbeitslosen unter 35 bezieht ALG II und ist auf dem Weg in die Langzeitarbeitslosigkeit. In Sachsen liegt der Anteil sogar bei noch höher und ist bei Erwerbslosen unter 25 im Vergleich zum Vorjahr noch einmal von 58 auf 61 Prozent gestiegen.

Von Chancengleichheit keine Spur: Der Aufschwung geht an der Jugend vorbei, vor allem an schlecht Gebildeten aus sozial schwachen Familien. Das ist gerade angesichts des steigenden Fachkräftemangels verheerend. Denn der demografische Wandel allein wird das Probleme nicht lösten. Dramatisch ist das Wegbrechen spezieller arbeitsmarktpolitischer Maßnahmen speziell für Jüngere. In Sachsen sind diese im Vergleich zum Vorjahr um 28 Prozent gekürzt worden. Dies ist nicht nur unfair gegenüber den Betroffenen, sondern auch volkswirtschaftlicher Blödsinn. Wir brauchen jeden jungen Menschen in Sachsen. In der Wirtschaft gilt offenbar: Je jünger desto prekärer. Bundesweit sind mehr als die Hälfte der Erwerbstätigen bis 24 Jahre prekär beschäftigt – Tendenz steigend. Dabei muss klar sein, dass Billiglöhne und prekäre Beschäftigung in Sachsen der Vergangenheit angehören müssen. Die Konsequenz hieße sonst Abwanderung.

Die Kürzungspolitik der schwarzgelben Staatsregierung in der Jugend- und Bildungspolitik wird den Trend noch verstärken. Notwendig wäre vielmehr eine neue Schwerpunktsetzung mit einer finanziell abgesicherten und bedarfsgerechten Bildungs- und Jugendhilfelandschaft. Wir brauchen außerdem eine sächsische Qualifizierungsoffensive für jüngere Beschäftigte. Diejenigen mit einem geringen Bildungsstand bekommen keine oder wenig Weiterbildungsmöglichkeiten. Das Widerspricht der Logik des lebenslangen Lernens und verschärft bestehende Bildungsungleichheiten. Das sollte am besten im Rahmen eines längst überfälligen sächsischen Weiterbildungsgesetzes geschehen.“

Die Studie zur beruflichen Situation der Jungen Generation 2010 finden Sie hier: