Immer mehr Kinder und Jugendliche in Obhut von Jugendämtern

Veröffentlicht am 09.08.2013 in Jugendpolitik

Henning Homann, Sprecher für Kinder- und Jugendpolitik der SPD-Fraktion im Sächsischen Landtag, erklärt anlässlich der neuen Statistik des Statistischen Bundesamtes zur Kinder- und Jugendhilfe:

„Im vergangenen Jahr haben die sächsischen Jugendämter so viele Kinder und Jugendliche in Obhut genommen, wie noch nie zuvor. Mit insgesamt 2.574 Inobhutnahmen in Sachsen waren es rund 200 mehr als im Jahr 2011. Dabei kam die Hälfte der Fälle aus Elternhäusern, die mit der Erziehung ihrer Kinder überfordert waren. Waren es 2008 noch 710 Fälle in Sachsen, so betraf dies 2012 1.252 Kinder und Jugendliche. Dies Entspricht einem Anstieg von 76 Prozent. Das ist die besorgniserregende Bilanz einer fehlenden Unterstützung für Familien in Sachsen und offenbart dringenden Handlungsbedarf.

Natürlich ist die Sensibilität auch aufgrund des neuen Kinderschutzgesetzes gestiegen. Doch müssen wir auch die Ursachen für den Anstieg stärker in den Blick nehmen. Neben dem Problem der Kinderarmut, haben massive finanzielle Kürzungen in den vergangenen Jahren dazu geführt, dass präventive Angebote in der Kinder- und Jugendarbeit, Jugendsozialarbeit, Familienbildung sowie -beratung zurückgingen und viele Eltern somit auf sich allein gestellt sind. Insbesondere für die Altersgruppe der 10- bis 14-Jährigen gibt es zu wenige Angebote. Diese sind jedoch unerlässlich, um die Zahl der betroffenen Familien mittel- und langfristig zu begrenzen.

Die SPD-Fraktion im Sächsischen Landtag fordert daher, eine stärkere Förderung und Unterstützung solcher präventiver Maßnahmen, z.B. im Rahmen einer eigenständigen Jugendpolitik. Zudem brauchen wir eine stärkere Vernetzung der Jugendhilfe mit Einrichtungen wie Kinderärzten, Erziehungsberatungsstellen oder Kindertagesstätten, um eine umfangreiche Hilfestellung gewährleisten zu können. Der Kinder- und Jugendschutz ist eine zentrale Aufgabe der Gesellschaft, der nicht durch kurzfristige haushaltspolitische Überlegungen gefährdet werden darf.“